Stormarner Tageblatt 1956

Stormarner Tageblatt vom Sonnabend, 27.10.1956(Nr. 253)

Oldesloer Neuer Friedhof sein Lebenswerk (Heinrich Stoffers)

Goldener Hochzeit Tag der Erinnerung an tüchtigen Verwalter - Bevölkerung hielt zu ihm

Bad Oldesloe. Am Montag feiert Oldesloes ehemaliger langjähriger Friedhofsverwalter Heinrich Stoffers mit Frau Katharina, geb. Boltenberg, das Fest der Goldenen Hochzeit. Das Lebenswerk des 77-jährigen Jubilars war die Anpflanzung und Betreuung des Neuen Friedhofes.

Er übernahm diese Aufgabe 1912. Zuvor war er nach beendeter Lehrzeit in der Oldesloer Gärtnerei von seinem Heimatort Elmenhorst aus auf Wanderschaft gegangen. In Melle im Hannoverschen fand er eine Anstellung. Dort lernte er auch Katharina Boltenberg kennen. Am 30. Oktober 1906 führte er sie zum Traualtar. Nicht lange danach zog es Heinrich Stoffers zurück in die Heimat. Er fand Arbeit in Alt-Fresenburg.

Von dort rief ihn der Kirchenvorstand von Oldesloe als Friedhofsverwalter an den Neuen Friedhof. Seine Aufgabe war die Totenbestattung, die er würdig und ehrfurchtsvoll gestaltete. Sodann lag vor ihm der große Friedhof, der zwar in der Anlage schön geplant war, aber in der Bepflanzung und gärtnerischen Pflege jegliche Schönheit entbehrte. Hier war das Arbeitsgebiet des neuen Mannes; hier sollte er seine Kunst beweisen. Doch der Krieg riß ihn aus seiner Arbeit.

Wer sollte nun die Toten unter die Erde bringen? Da griff Frau Stoffers zum Spaten. Sie grub Gruften, bestattete die Toten, schichtete Grabhügel auf und schmückte sie. Unvergeßlich ist ihr ein Tag, an dem sie drei Beerdigungen zu bewältigen hatte. Die Stadt hat ihr damals Anerkennung und Lob ausgesprochen.

Gesund aus dem Krieg heimgekehrt, knüpfte Heinrich Stoffers freudig dort wieder an, wo er Jahre zuvor aufgehört hatte. Eine große Aufgabe kam hinzu: die Erweiterung des Friedhofes. Die Stadt hatte das angrenzende Ackerland hinzugekauft. Der trennende häßliche Wassergraben mußte zum plätschernden Bach, sein Ende ein sauberer Teich mit terrassenförmigen Ufern versehen werden. Das freie Feld teilte Heinrich Stoffers auf und bepflanzte es mit Tannen-, Birken- und Strauchgruppen. In der Mitte wurde das Hochkreuz, ein Geschenk eines nach Amerika ausgewanderten Oldesloers (Ernst Kruetgen), errichtet. An dem Hauptweg entstand ein kleiner Heldenfriedhof für die in die Heimat überführten Gefallenen. Die Wasserleitung wurde über den ganzen Friedhof gleitet, und hie und da legte man hübsche Schöpfbrunnen an. Der Bevölkerung gefiel es gut.

Und die Anerkennung für das Geschaffene kam in den folgenden Jahren so recht zum Ausdruck, als sich die Einwohner Oldesloes für Heinrich Stoffers einsetzten, nachdem der Kirchenvorstand einen fremden Landschaftsgärtner angestellt hatte.

Dieser Fremde hatte nach einem Besuch des Friedhofes vieles zu bemängeln und mit seiner Versicherung, daß sich aus dem von der Natur begünstigten Gelände etwas sehr Schönes machen lasse, Zugang beim Friedhofsausschuß gefunden. Heinrich Stoffers wurde hierzu nicht eingestellt. Wie schmerzte ihn das. Dann aber traten beherzte Männer auf. In öffentlicher Versammlung wurde in hitzigen Reden gefordert, Stoffers wieder einzusetzen. Ein öffentlicher Aufruf forderte Gerechtigkeit für ihn; er fand in kurzer Zeit etwa 100 Unterschriften. Diesem Wunsch fügte sich der Kirchenvorstand, er setzte Heinrich Stoffers wieder an seine alte Arbeit ein, die er bis jetzt versah. Seine letzte und traurigste Aufgabe war die Bestattung der Toten des Bombenangriffs auf Bad Oldesloe. Noch heute pflegt er die Stätten, die ihm besonders am Herzen liegen.

Von den drei Söhnen, die das Jubiläumspaar hatte, wird nur noch Heinrich, der als städtischer Beamter in Mölln lebt, an der Familienfeier teilnehmen. Der Sohn Arnold, der nach dem Besuch des Technikums in Hamburg Ingenieur geworden war, fiel als Oberleutnant in Rußland und wurde nach seinem Tod mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Der dritte Sohn war kränklich und starb früh.

An Glückwünschen und Beweisen des Dankes wird es dem 77-jährigen Jubiläumsbräutigam und der 73-jährigen Braut am Montag nicht fehlen.

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