Die Martin-Luther-Kirche in Tralau

Von Pastor Diethelm G. Schark

Gerade einmal 36 Jahre alt ist die Kirche in Talau noch jung an Jahren. Aber mit ihren ca. 120 Sitzplätzen ist sie schon heute nicht immer allen Besuchern einer Beerdigungsfeier oder Konfirmationen gewachsen. Aber gerade ihre begrenzte Größe macht auch ihren Reiz aus, weshalb sie auch von Menschen ganz bewußt aufgesucht wird. Als sie am 17. September 1961 feierlich von Bischhof D. Halfmann eingeweiht wurde, war sie zunächst nur als Kirche für Tralau, Nütschau und Vinzier gedacht. Die Gemeinde Travenbrück bestand noch nicht und Neverstaven gehörte damals zur Kirchengemeinde Leezen. Auch war die Einwohnerzahl der Dörfer deutlich geringer als heutzutage. Im Inneren erinnert der barocke Altaraufsatz aus dem Jahre 1690 daran, daß es schon in früherer Zeit eine kleine, mit einer Gruft verbundenen Kapelle im Garten des Tralauer Guts gab, die bereits 1374 urkundliche Erwähnung findet. Geschah dies aber nur wenige Male im Jahr, so besteht heute in der Regel alle vierzehn Tage die Möglichkeit, am Gottesdienst teilzunehmen. In dem nachträglich gebauten Gemeindehaus findet regelmäßig Altenarbeit, Konfirmandenunterrricht und Kindergottesdienst statt.

Es sprich viel dafür, daß nicht nur der besagte Altaraufsatz, sondern auch die "Tralauer Madonna" dort ihre erste Bleibe hatte. Diese 80 cm hohe, aus Eiche geschnitzte, spätgotische Standfigur der Gottesmutter mit Kind stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist heute in der Oldesloer Peter-Paul-Kirche aufgestellt.

Dort befand sich auch der Altaraufsatz, nachdem die alte Tralauer Kapelle baufällig und schwer beschädigt Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen worden war. Alte Photographien zeigen ihn im damaligen Altarbild der Peter-Paul-Kirche.

Mit den für den Barock typischen Ornamenten geschmückt, zeigt er die Kreuzigung Jesu mit Maria, Jesu Mutter, und dem Lieblingsjünger unter dem Kreuz (Johannesevangelium 19, 25-27). Die äste mit Blattwerk, die aus dem Kreuz herauswachsen, lassen die Vermutung zu, daß der Künstler Christus als den neuen Adam darstellen wollte (Römer 5, 12 ff), der die Sünde tilgt und den Weg ins Paradies öffnet.

Als 1986 die Kirchengemeinde Oldesloe das 25-jährige Kirchenjubiläum feierte, wurden auch an der Kirche selbst umfassende Anderungsarbeiten vorgenommen. Der ursprüngliche Plan der Architektin Schmidthenner aus Tübingen sah vor, daß die Kirche in ihrer äußerlichen Gestalt auf ihre Vorgängerin im Gut hinweisen sollte. Das für ein schleswig-holsteinisches Gut typische Torhäuschen war zugemauert worden und nun wieder durchgehbar gemacht. Der angrenzende Friedhof konnte dagegen nicht mehr vollständig in den geplanten Zustand versetzt werden und eine Baumbepflanzung deutet die geplante "Gutsallee" nunmehr an.

Auch im Inneren gab es Neuerungen. 1965 baute die Firma Becker aus Kupfermühle eine Orgel mit 5 Registern ein. Sie verfügt zwar über ein Manual und das Pedal ist nur angehängt, aber sie fügt sich mit ihrem wohlge-stalteten Prospekt gut in die Kirche ein.

Nicht nur an den besonderen Tagen ihres Jubiläums haben die Glocken zum Gottesdienst gerufen. Neben einer kleinen Glocke unbekannter Herkunft mit kyrillischer Umschrift, die in früheren Tagen am Tralauer Schulhaus aufgehängt war, hängt eine größere Glocke. Die Inschrift auf ihr lautet: "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken". Sie trägt die Familienwappen ihrer Stifter und erinnert daran, daß ohne den erheblichen finanziellen und ideellen Einsatz von Graf und Gräfin Kerssenbrock weder Glocke noch Kirche in Tralau zu finden wären.

Den Namen "Martin-Luther-Kirche" bekam unsere Kirche erst zum ihrem Jubiläum. Viele Vorschläge kamen aus der Gemeinde, wozu Pastor Lothar Wolske aufgerufen hatte. Der Kirchenvorstand entschied danach nach reiflicher überlegung. Vielleicht liegt es an dieser späten "Taufe", daß sich bis heute der Name "Kirche in Tralau" gehalten hat.

Viele haben in der vergleichsweise kurzen Geschichte der Martin-Luther-Kirche ihre Spuren in der Kirche und dem 1982 gebauten Gemeindehaus hinterlassen. Zu nennen sei nur der mit Mitteln der Gemeinde angeschaffte Wetterhahn oder die einzelnen Inventargegenstände wie Lesepult oder Kerzenständer, die den Gottesdienstraum bereichern. Seit eineinhalb Jahren steht nun auch ein "Taufbaum" im Eingangsbereich der Kirche mit den Bildern der in ihr getauften Kinder.

Daran wird eindrücklich deutlich, daß in unserer Kirche die Generationen zusammenkommen und zusammen feiern. In ihr kommen Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges zusammen, so daß ihr auch als ein Symbol für die Integration der Gemeinde Travenbrück eine hohe Bedeutung zukommt.

Zurück zur Seite Historie