Regulativ für den neuen Kirchhof in Oldesloe 1880

        Nachdem wegen Ueberfüllung des alten, zwischen der Trave, der Beste, der Bahnhofstraße und der Uhlenhorst belegenen Kirchhofs, auf die Anlegung eines neuen Kirchhofs von der Kirchenverwaltung Bedacht genommen und nach längeren Verhandlungen der Ankauf zweier dem Landbürger H. Witten gehörigen, an der Hamburger Chausseebelegenen, in der Grundsteuermutterrolle des Katasteramts Wandsbek unter: Gemarkung Oldesloe, Kartenblatt 23, Parcelle 16 und 17 aufgeführten, 4 h 0,2a 25 qm haltenden Koppeln in der Sitzung der Gemeindevertretung vom 27. Sept. 1878 beschlossen, am 4. October 1878 von dem Königlichen Kreisphysikat und am 15. October 1878 von dem Königlichen Kreisbauamt befürwortend begutachtet, und von der Königlichen Regierung mittelst Schreuibens vom 5. Juni 1879, II. 5743 genehmigt worden, hat die Herstellung dieser Koppeln zu einem Begräbnißplatze nach Maßgabe einer von dem Landschaftsgärtner Jürgens in Ottensen angefertigten Zeichnung durch die Kirchhofscommission in Ausführung gebracht werden können. Es wird deshalb nunmehr für den neuen Kirchhof folgendes von dem Kirchencollegium in der Sitzung vom 3. Sept. 1880 einstimmig genehmigtes  
R e g u l a t i v  hierdurch erlassen:

§ 1.
        Das Begraben in den allgemeinen Gräbern des alten Kirchhofs hört von dem Tage der Weihung des neuen, oder eines Theiles desselben vollständig auf.
        Was die Beerdigung in den Eigenthumsgräbern des bisherigen Kirchhofs betrifft, so bleibt dieselbe für die jetzigen Eigenthümer und ihre Angehörigen gestattet, doch ist eine Veräußerung der vorhandenen Erbbegräbnisse an Solche, die nicht Ascendenten oder Descendenten der Eigenth¨mer sind, nicht zulässig. Jedenfalls aber erlischt 50 Jahre nach der Eröffnung des neuen Kirchhofs, mithin am 13. März 1931, jedes Anspruchsrechts auf Beerdigung in einem Grab des alten Kirchhofs, auch dann, wenn eines der je 3 Plätze enthaltenden Eigenthumsgräber alsdann nicht, oder nicht vö,lig belegt sein sollte. Nach Ablauf dieser Frist, und wenn vollständige Verwesung der auf dem betreffenden Kirchhof befindlich gewesenen Leichen constatirt worden, auch keine berechtigten Privatansprüche an die Grabstätten mehr zu erheben sind, wird die weitere Verfügung den verfassungsmäßigen Organen vorbehalten.

§ 2.
        Der neue Kirchhof, welcher nach dem Plane in 7 Abteilungen A. B. C. D. E. F. G. außer der für die demnächst zu erbauende Kapelle bestimmten eingetheilt ist, wird mit einer passenden Einfriedung versehen, welche in einer lebenden Hecke bestehen wird. Er erhält nur einen Eingang, welchen ein großes Hauptthor mit zwei Thüren und zwei Nebeneingängen bildet.
        Auf den einzelnen Abtheilungen wird der für allgemeine Gräber bestimmte Platz in Reihen eingetheilt, welche an beiden Enden durch eichene Nummerhölzer mit von der Mitte des Begräbnißplatzes nach der Peripherie fortlaufenden römischen Ziffern zu verstehen sind. Die einzelnen Gräber empfangen von der linken nach der rechten Seite des Beschauers, der mit nach der Mitte des Begräbnißplatzes gewendetem Gesicht auf der betreffenden Abteilung steht, fortlaufende arabische Ziffern, die aber nur in dem anzulegenden Grabbuch zu verzeichnen, nicht auch auf dem Begräbnißplatz selbst zu markiren sind. /Beispielsweise erhält das sechste Grab in der achten Reihe der vierten Abteilung die Bezeichnung in Karte und Grabbuch: D. VIII.6.) Die Eigenthumsgräber werden mit dem lateinischen Buchstaben der Abteilung, auf der sie liegen, mit einem deutschen E., mit innerhalb der einzelnen Abteilungen fortlaufenden arabischen Ziffern und zur Unterscheidung, ob sie Gräber erster oder zweiter Klasse sind, mit dem kleinen lateinischen Buchstaben a oder b in der zu entwerfenden Karte und im Grabbuch gleichmäßig bezeichnet (Beispielsweise: das zwölfte Eigenthumsgrab zweiter Klasse auf der ersten Abteilung: A., E. 12 b).

§ 3.
        Für die Beerdigung dienen im Allgemeinen die Vorschriften der Kgl.Regierung vom 1. Nov. 1871 zur Norm.
        Die Verwesungsfrist wird in Gemäßheit des Physicatsgutachtens vom 4. October 1878 auf 30 Jahre normirt. Unter keinen Umständen darf eine bereits belegte Grabstelle innerhalb dieser Frist wieder benutzt werden.
         Es ist ein Grabbuch anzulegen und in duplo, das eine vom rechnungsführer, das andere vom Todtengräber zu führen. In demselben erhält jedes Eigenthumsgrab ein besonderes Folium, und wird auf demselben nach Lage und Unterscheidungsnummer unter Angabe von Name, Stand und Wohnort des Eigenthümers und Datum des Erwerbs verzeichnet. Die in einem Grab vorgenommene Beerdigung wird unter Angabe von Jahreszahl, Datum, Nummer des Beerdigungdregisters, und Name, Stand und Wohnort des Beerdigten eingetragen. Dem Grabbuch ist eine Kopie der Karte des Begräbnißplatzes beizufügen. Alljährlich nimmt der Kirchenvorstand eine controllirende Vergleichung beider Grabbücher unter Zugrundelegung der Grabzettel vor. Diese Grabzettel werden von dem Rechnungsführer unter für das ganze Rechnungskirchenjahr fortlaufenden Nummern nach Entrichtung der in die Kirchencasse fließenden, und auf den Zettel zu notirenden Gebühren ausgefertigt, darnach dem Hauptprediger zugestellt, damit dieser die Erlaubniß zur Beerdigung darauf vermerke, und endlich bei dem Hauptprediger von dem Todtengräber abgeholt, der den Tag der Beerdigung und die Nummer des Grabes darauf zu notiren, die Zettel vorläufig aufzubewahren, und am Schluß jedes Monats dem Hauptprediger wieder zuzustellen hat. Letzterer bewahrt diselben bis nach justificierter Kirchenrechnung auf.

§ 4.
        Für die Oldesloer Prediger, den Cantor und den Organisten, so lange sie im Kirchendienste stehen oder als Emeriti in der Gemeinde wohnen, für ihre Frauen oder Witwen, ebenfalls unter letztgedachter Beschränkung, sowie für; ihre unverheirateten Kinder werden die erforderlichen Begräbnisplätze unentgeltlich angewiesen und ausschließlich zur Beerdigung der genannten Personen benutzt.


§ 5.
        Jeder christliche Bewohner der zur Kirchengemeinde Oldesloe gehörigen Ortschaften kann sich ein zu je 3 Plätzen eingerichtetes Grab auf dem neuen Kirchhofe durch Kauf von der Kirche, deren Eigenthum der Begräbnisplatz ist, erwerben. Die Eigenthumsgräber sind in 2 Klassen eingetheilt, nach der mehr oder minder günstigen Belegenheit. der Kaufpreis für ein Grab der ersten Klasse wird auf M 90, für eins der zweiten auf M 60 festgesetzt. Die durch den Kauf eines Grabes erworbenen Rechte dauern 60 Jahre vom Tage der Erwerbung des Grabes angerechnet. Alsdann hat die Familie des Eigenthümers das Recht, welches jedoch innerhalb 6 Monate nach Ablauf der ersten 60 Jahre geltend zu machen ist, ein Grab auf weitere 30 Jahre durch Entrichtung des halben Kaufpreises eigenthümlich zu erwerben. Diese Bestim-mungen finden sinngemäße Anwendung nach Ablauf von je weiteren 30 Jahren. Der vorerwähnte weitere Erwerb steht nur dem ursprünglichen Erwerber, sowie seiner Familie (Ehegatten, Descendenten) namentlich auch durch testamentarische Dispositionen zu. Eine eigenthümliche Ueberlassung des Grabes an Andere durch Schenkung, Kauf u. s. w. ist nicht zulässig. Doch bleibt dem Inhaber unverwehrt, auch nicht zu seiner Familie Gehörige darin beerdigen zu lassen.
        Wenn ein Grab durch Vererbung in den gemeinschaftlichen Besitz Mehrerer übergeht, so empfiehlt es sich, durch Vereinbarung unter den Erben nur Einem derselben die Eingenthumsrechte zu übertragen; wo dies nicht zu ermöglichen ist, wird das Grab nur auf den Namen Eines der Erben im Grabbuch umgeschrieben, der dann der Kirchenverwaltung gegenüber als Mandatar der übrigen Erben und als allein Verfügungsberechtigter gilt. Maßgebend hierfür soll in der Regel der Besitz des Grabscheinessein, über dessen rechtmäßigen und mit Zustimmung der übrigen Erben erfolgten Erwerb die Kirchenverwaltung einen Ausweis zu verlangen berechtigt, aber nicht verpflichtet ist.
        Hinsichtlich der Besitzveränderung eines Grabes aber ist die Umschreibung im Grabbuch erforderlich. Falls dieselbe nicht gleichzeitig mit dem Besitzwechsel bei dem Rechnungsführer bewirkt wird, ist sie an dem jährlich einmal zu haltenden, vorher in der Kirche und durch das Localblatt bekannt zu machenden Umschreibungstage durch den Besitznachfolger unter Rückgabe des auf den bisherigen Besitzer lautenden und zwecks Inempfangnahme eines auf den neuen Eigenthümer gegen eine Gebühr von M 1,80 auszustellenden Grabscheines zu beantragen. Beim Besitzwechsel ist ohne Umschreibung eine weitere Belegung des Grabes nicht gestattet. Die Umschreibungsgebühr von M 1,80 wird, wenn die Beantragung der Umschreibung im ersten Jahre nach dem Besitzwechsel versäumt worden ist, auf das Doppelte, wenn dieselbe zwei Jahre lang nach dem Besitzwechsel versäumt worden ist, auf das Dreifache erhöht.

§ 6.
        Jeder Grabbesitzer ist befugt, auf dem Grabe einen oder mehrere Grabsteine, ein Denkmal von Holz, Stein oder sonstigem Material zu errichten, und mit Inschriften und Verzierungen zu versehen, auch das Grab mit einer Einfassung, jedoch nur von Staketwerk aus Holz oder Eisen, oder auch mit Grenzsteinen zu umgeben.
        Das Ausmauern von Gewölben ist ausgeschlossen.
        Bäume dürfen nicht auf, oder neben die Gräber gesetzt werden; das Pflanzen von Blumen und Strauchgewächsen auf der Oberfläche des Grabes ist unverwehrt.
        Auch über die Denkmäler, Inschriften, Einfassungen u.s.w. verbleibt im Allgemeinen der Kirchenverwaltung das Aufsichtsrecht; und ist dieselbe befugt, die Anbringung solcher Denkmäler, welche nicht deren Zweck, das Andenken der Verstorbenen zu ehren, entsprechen, oder dem christlichen Bekenntniß widersprechen, zu hindern, die Abstellung des Anstößigen zu verlangen, und wenn der desfälligen Aufforderung nicht Folge geleistet wird, selbst die Beseitigung auf Kosten der Betheiligten zu veranlassen. Auch dürfen Einfassungen und Verzierungen die benachbarten Gräber nicht beeinträchtigen, und haben, wenn deren Wegnahme zur eröffnung anliegender Gräber erforderlich ist, die Eigenthümer die Kosten der Wegnahme und Wiederhinsetzung selbst zu tragen.

§ 7.
        Für Beerdigungen in den Reihengräbern wird bei Leichen von nach Vollendung des 15. Lebensjahres Verstorbenen ein Grabgeld von M 3,00, bei Leichen von vor Vollendung des 15. Lebensjahres Verstorbenen ein Grabgeld von M 1,50 erhoben.
        Im Uebrigen behält es bei den durch das Kircheninventarium oder sonstige spätere Bestimmungen der verfassungsmäßigen Organe festgestellten Gebührensätzen sein Bewenden, nur werden alle vorerwähnten Gebühren für die Kirchencasse vom Rechnungsführer erhoben, und sind, abgesehen von der gleich zu erwähnenden eventuellen Remuneration, Gebühren irgend welcher Art an den Todtengräber ferner nicht zu bezahlen. Die Belegung der 4 Seiten eines Grabes mit Grassoden ist der Todtengräber auf Wunsch der Angehörigen gegen eine einmalige Vergütung M 1,00 zu übernehmen verpflichtet. Ueber die für eine darüber hinausgehende Schmückung, Reinigung und Instandhaltung eines Grabes zu gewährende Vergütung haben die Angehörigen, falls sie solches nicht anderweitig besorgen wollen, in jedem einzelnen Falle mit dem Todtengräber besondere Vereinbarung zu treffen.

§ 8.
         Von vorstehendem Regulativ soll jeder Käfer eines Eigenthumsgrabes ein Exemplar zugleich mit dem Grabschein unentgeltlich ausgehändigt werden.
        Oldesloe, im September 1880.

Der Kirchenvorstand.
        (gez.) Georg Baetz.   (gez.) Wessel.    (gez.) E. J. Wörmbcke.   (gez.) U. Gerling.   (gez.) Rahlf.
  (gez.) W. Haß.   (gez.) J. H. G. v. Hartz.    (gez.) Rautenberg.



        Vorstehendem regulativ wird nach resp. unter dem 24. und 18. Januar d. J. erfolgter Genehmigung der in demselben enthaltenen Gebührensätze seitens des Königlichen evangelisch≈lutherischen Consistoriums in Kiel und des Königlichen regierungspräsidiums in Schleswig hierdurch von uns die Bestätigung ertheilt.
        Warder, den 20. März 1881.
Der Synodalausschuß der Probstei Segeberg.
(L. S.)        U. Griebel, ç


Druck von J. Schütze in Oldesloe.
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